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Zum Tod der Jiddistin Evita Wiecki

Die Jiddistin Evita Wicki ist am 12. Juni 2022 ihrer Leukämie-Erkrankung erlegen.

Sie hat eine Generation von Studierenden an der LMU München begleitet, betreut und gelehrt. Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur, würdigte Evita Wiecki letzten Mittwoch anlässlich des Festakts zum 25-jährigen Bestehen des Lehrstuhls als »Vollblutlehrerin«, die eine große Lücke hinterlässt. Ebenfalls nicht wegzudenken ist ihr Name von der Sommeruniversität in Hohenems und dem Yiddish Summer in Weimar. 2017 promovierte sie im Fach Jiddistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Dissertation trägt den vielsagenden Titel »‘Ein Jude spricht Jiddisch‘- Geschichte des säkularen Jiddisch-Lehrbuchs im Polen des 20. Jahrhunderts«( erschienen 2018 bei Vandenhoeck & Ruprecht).

Aber nicht nur im akademischen Bereich hat Evita Wiecki gewirkt. Bei Veranstaltungen des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die sich an eine breite Öffentlichkeit richten, hat sie viele Male gesprochen: Ihre Empfehlungen für und ihre Einführungen zu jiddisch-sprachigen Filmen hatten Klasse. Ob ihre Vorreden zum alljährlichen Schoelm-Alejchem-Vortrag in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur live im Historicum stattfanden oder als Hommage an die jiddische Sprache während der Corona-Pandemie in die Welt gestreamed wurden, ihr Sachkenntnis bestach und ihr polnischer Akzent, der ihr klal-Jiddisch auszeichnete, bleiben im Ohr. Zuletzt sprach sie für uns im April 2021 zur Einführung des Scholem-Alejchem-Vortrag »Di geshikhte fun nisht farbetene gest: Dzigan un Shumacher in Yisroel« von Diego Rotman.

Evita Wiecki wies auf die bereits ein Jahrzehnt bestehe Reihe hin: »Mir hobn mit yorn tsurik oyfgeshtelt di rey kedey tsu vayzn dem oylem do in daytshland, az yidish iz nit nor a shprakh fun klezmer-muzik un vitsn un shpasn, nor oykh a shprakh fun ernster forshung un visnshaft fun ale limudim. tsu ot dem past zikh gut tsu, az mir hobn atsind inem Minkhner yidishn muzey nor-vos oyfgeefnt an oysshtelung, vos ir yesod zenen visnshaftlekhe tekstn fun a mizrekh-eyropeishn historiker, vos hot alts ongeshribn oyf yidish.«

Ihr großes Wissen vermittelte sie auch in der Erwachsenenbildung an der Jüdischen Volkshochschule München, wo sie ihren Schülern, nicht nur Sprache und Grammatik, sondern auch den kulturellen Kontext nahebrachte, in dem jiddische Kultur einst entstanden war.

Seit ihrer Erkrankung haben wir Evita schmerzlich vermisst und auf ihre Gesundung gehofft. Leider vergeblich.

Mit Evita Wiecki verlieren wir nicht nur eine versierte Dozentin und kluge »ejze« – Ratgeberin, sondern auch eine Freundin. Möge ihre Seele eingebunden sein in den Bund des ewigen Lebens.

Ellen Presser, Kulturzentrum der IKG

Foto: Evita Wiecki, April 2021, bei der Einführung zum Scholem-Alejchem-Vortrag, der online gestreamed wurde (Screenshot)